Bericht der „Friedens“kundgebung in Frankfurt am 26.2.22

Geschockt vom russischen Angriff auf die Ukraine entschlossen wir uns dazu, gegen den Krieg auf die Straße zu gehen. Wir gingen zur Kundgebung am Rathenauplatz, zu der auch die LINKE. Hessen aufgerufen hatte. Was dann passiert ist, hatten wir nicht erwartet.

Zu Beginn ging es zum Großteil um die ukrainische Zivilbevölkerung und es wurde auf Spendenmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Es wurden umfassende Wirtschaftssanktionen gefordert (ohne zwischen sinnvollen und eher unsinnigen zu unterscheiden). Einige Redner*innen haben Waffenlieferungen gefordert, manche auch eine direkte Beteiligung der Bundeswehr an den Gefechten. Auf der Friedenskundgebung wurde also gefordert, Deutschland solle Kriegspartei werden. Ohne auf die Konsequenzen aufmerksam zu machen, die ein direkter Krieg mit einer Atommacht mit sich bringt.

Geschockt waren wir, als der Redner des DGB (Alexander Wagner) von der Bühne gebuht wurde und nicht zu Ende reden konnte. Er hatte in seinem Beitrag Waffenlieferungen abgelehnt.

Ein weiterer Redner hat auf die Lage der Geflüchteten aufmerksam gemacht und wurde dafür aus dem Publikum massiv kritisiert. Gerufen wurden Dinge wie:„Die Ukraine braucht keine Flüchtlingshilfe sondern Panzer“.

Es wurden nationalistische Kriegslieder von kleinen Kindern gesungen.
Es gab abgedrehte Schilder die Putin, Hitler und Stalin verglichen haben es wimmelte nur so vo EU- und Regenbogen-EU-Fahnen.


Auch wenn wir von Anfang an damit gerechnet haben, dass wir viele der Forderungen und die generelle Stimmung auf der Kundgebung nicht unterstützen können, waren wir sehr enttäuscht von dem, was sich dort abgespielt hat.

Die Stimmung war nationalistisch und Teile der Versammlung kann man als klar rechts bezeichnen. Es waren sogar einige Deutschlandfahnen mit Reichsadlern zu sehen.
Viele der Anwesenden konnten die Konsequenzen ihrer Forderungen nicht einschätzen.

Durch Berichte von Genoss*innen mussten wir feststellen, dass es anderen Orten zu ähnlichen Szenen kam, so zum Beispiel in Marburg. Einen Tag nach der Kundgebung war die Sondersitzung des Bundestages, in der die größte Aufrüstungsoffensive bundesdeutscher Geschichte beschlossen wurde. Im Nachhinein ist klar: Die nationalistisch aufgeladenen Demos, haben Friedensbewegte wie uns instrumentalisiert und eine Stimmung im Land geschaffen, die die Legitimation für den Rüstungswahnsinn der Regierung liefert.

Es gilt jetzt umso mehr, auf die Straße zu gehen und diesen Irrsinn zu stoppen! Zum Beispiel auf der Kundgebung der Friedensbewegung am Sonntag, den 6. März um 11.55 Uhr auf dem Frankfurter Willy-Brandt-Platz.